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Sorgerecht für Väter eines nichtehelichen Kindes nur bei Vereinbarung mit Kindeswohl

Das Oberlandesgericht Schleswig hat über die Frage entschieden, unter welchen Umständen der Vater eines nichtehelichen Kindes das gemeinsame Sorgerecht gegen den Willen der Mutter erhalten kann.

Die Parteien sind Eltern einer zweieinhalb Jahre alten Tochter und nicht miteinander verheiratet. Zur Trennung kam es bereits vor Geburt des Kindes. Eine gemeinsame Sorgerechtserklärung wurde nicht abgegeben. Folge daraus: Die Mutter ist seit der Geburt des Kindes alleinige Sorgeberechtigte.

Der Vater befürchtet nun, dass die alleinige Sorge der Mutter sich negativ auf die Beziehung des Kindes zum Vater auswirke. Die Mutter sieht bei einem gemeinsamen Sorgerecht die Gefahr von erheblichen Konflikten zwischen den Eltern. Sie hätten bereits unterschiedliche Auffassungen darüber, wie ein geregelter Tagesablauf eines Kindes auszusehen habe.

Der Antrag des Vaters auf gemeinsame Sorge wurde durch das OLG Schleswig zurückgewiesen.

Nach Auffassung des Oberlandesgerichts sind die Kindeseltern nicht in der Lage, gemeinsam die elterliche Verantwortung zu übernehmen. Der Vater erhebe gegenüber der Mutter Vorwürfe, was ihren Lebenswandel anbelangt, und er vermittele den Eindruck, über ihre Lebens- und Haushaltsführung bestimmen zu wollen. Die Mutter habe den Vater wegen Stalkings angezeigt. Zweimal führten Streitigkeiten zwischen den Kindeseltern zu Polizeieinsätzen.

Es gebe auch kein Mindestmaß an Übereinstimmung zwischen den Kindeseltern. Sie konnten sich über die Frage eines Kindergartenbesuchs zunächst nicht einigen. Sie seien auch nicht in der Lage, den Umgang des Vaters mit dem Kind selbstständig zu regeln. Es kam zu Streitigkeiten über die Betreuung des Kindes bei berufsbedingter Abwesenheit der Mutter und über die Anschaffung von Kindersitz, Kinderwagen und Tragegurt sowie über die Zahlung von Kindesunterhalt.

Fazit: Das Elternrecht auf Sorge ist aus Richtersicht stets am Kindeswohl zu messen – ebenso wie das Verhalten der Eltern stets auf das Wohl des Kindes abzielen sollte. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, könnte man meinen.

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